Samstag, 19. März 2016

15. Jahre Like a Dream - Interview mit Juliane Seidel




Wir durften ein ganz besonderes Interview führen mit Juliane von Like a Dream. Besonders aus vielerlei Gründen,


1. 
Juliane bloggt vorwiegend Rezensionen und Informationen zur Gay Literatur

2. 
Sie ist eine der ersten, die einen Blog zu homoerotischen Animes und Mangas eröffnete

3. 
Und sie bloggt mittlerweile 15 Jahre und feiert das dieses Jahr ganz groß.

Liebe Juliane, wir gratulieren ganz herzlich zu deinem 
15. Bloggeburtstag. Ich muss sagen, als ich das gelesen habe gingen mir soooooo viele Fragen durch den Kopf. Daher bin ich super glücklich, dass ich die bei dir loswerden darf!

Hoffentlich seid Ihr ebenso gespannt wie wir, auf gehts....



Auf deinem Blog kann man in den letzten Tagen schon einige mega spannende Artikel verfolgen zu deinem Geburtstag. Die Party ist in vollem Gange und auch wir werfen Konfetti aus. Denn du bist, das darf man hoffentlich mal erwähnen, gerade einmal Baujahr 1983. Das bedeutet, dass du schon früh in deiner Jugend zu den Mangas gekommen bist. Du warst dann eine der ersten, die dieses Thema auch online in die Welt heraus verbreiteten.

Wie kam für dich der Entschluss dir einen Blog einzurichten und nicht nur für dich zu lesen?

Erst mal vielen lieben Dank für die Glückwünsche. Ich finde es immer noch ein wenig unwirklich, wie alt „Like a Dream“ inzwischen ist. Damals war die Seite noch kein Blog, diese tauchten in der Form, wie man sie heute kennt, eher später auf. Zu Beginn war Like a Dream auch eher eine Informationsseite über Shonen-Ai Mangas (sprich homoerotische Mangas), wobei natürlich auch die Werke, die frisch nach Deutschland kamen, vorgestellt wurden. Damals waren das nicht die klassischen Rezensionen, die man heute kennt und ähnelten meinen heutigen Kritiken überhaupt nicht, aber sie markieren den Grundstein.

Bis heute macht es mir Spaß Rezensionen zu verfassen – ich teile gerne meine Meinung mit anderen und berichte über Bücher, die ich gelesen habe.


Facebook ging tatsächlich erst im Jahre 2004 online, findest du, dass sich durch Facebook auch dein Blog verändert hat?


Der Blog insgesamt hat sich eigentlich nicht verändert, aber Facebook gibt doch die Möglichkeit meine Rezensionen breiter zu streuen – in passenden Gruppen z.B. Man erreicht dort einfach eher die Leser, so dass ich auf FB mehr Kommentare zu meinen Rezensionen bekomme, als direkt unter den Blogbeiträgen. „Like a Dream“ ist dadurch ein Stück lebendiger geworden und verzeichnet zunehmend wachsende Besucherzahlen, was mich sehr freut. Ich glaube ohne Facebook wäre mir das nicht geglückt.

Gab es zur Anfangzeit schon eine Community? Kann man das so sagen? Oder ist das erst heute richtig so? Wie lief die Vernetzung? Womit?


Im Manga/Anime-Bereich gab es durchaus eine Community (die meisten Kontakte knüpfte man über die Seite Animexx, die es noch heute gibt), allerdings funktionierte die Vernetzung anders als heute. Als Manga-Seite hat man sich mit anderen Manga- oder auch Graphic-Seiten vernetzt, sich gegenseitig verlinkt oder verpartnert. Es gab Toplists, in die man sich eingetragen hat und die die Seite bekannter machten, insofern die Leute gevotet haben (die Banner der Toplists findet man heute noch in einem Laufband auf der alten LaD-Seite *KLICK

Ansonsten über Foren – Like a Dream hat noch heute einen festen Forenbereich auf www.comicforum.de wo sich Gleichgesinnte über Comics, Mangas und Bücher unterhalten können. Auch wenn ich kaum mehr Zeit habe, das Forum zu betreuen, hat es bei der Vernetzung geholfen.

Der Rest war Mund-zu-Mund Propaganda. Viele wurden durch Freunde auf die Seite aufmerksam gemacht, weswegen sie in den ersten Jahren stark frequentiert wurde.

Wie war das für die Menschen um dich herum im „Real Life“, dass du plötzlich Bloggerin warst und Animes geschaut und Mangas gelesen hast.

Also von meiner Blog-Aktivität hat fast niemand etwas mitbekommen – ich hab das gar nicht an die große Glocke gehängt, sondern eher für mich selbst gemacht. Das Manga-Lesen war da schon was anderes. Das haben natürlich die Menschen um mich herum mitbekommen – einige haben mich belächelt und mich schief angesehen, andere teilten meine Leidenschaft für asiatische Comics. Insgesamt hat sich aber nicht viel geändert.



Gab es negatives, gerade am Anfang?

Ehrlich gesagt – nein. Gerade am Anfang nicht. Mir machte die Seite Spaß, ich hatte viele Besucher und „Like a Dream“ sprach sich schnell herum. Ich weiß, heutzutage ist das für neue Blogger anders: sie haben wenig Besucher, verlieren vielleicht schnell die Lust und müssen sich mit Kritik auseinandersetzen. Aber 2001, wo es nur wenige Internetseiten gab, und sich kaum eine mit so einem speziellen Thema beschäftigte, da sah das anders aus. Heute hat man eine breite Masse Blogger, damals hat man sich auf jede gestürzt, die aufpoppte ;)

Negative Erfahrungen kamen erst später dazu, als ich kritischere Rezensionen schrieb, mit denen einige Autoren und Leser nicht einverstanden waren.

Wenn ja was hat sich geändert?

Für mich nicht – ich hab mich erst recht an dem Motto „Ich schreibe immer ehrliche Kritiken“ festgebissen und dazu stehe ich bis heute. Mag sein, dass ich Leuten auf die Füße trete, doch ich schreibe keine Gefälligkeits- oder Freundschaftsrezensionen (nicht dass ich das anderen Bloggern unterstelle!), sondern schreibe immer ehrlich und offen, was mir gefällt und was nicht. Natürlich mit ausführlicher Begründung. Das mögen einige nicht, aber dafür gibt es zehn andere, die genau das an meinen Rezensionen schätzen – sprich das wiegt sich auf ;)

Privat bist du in viele verschiedene Richtungen gegangen, beruflich und auch privat. Du bist enorm vielseitig, wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Um ehrlich zu sein, frage ich mich das auch manchmal. Ich kann einfach nicht stillhalten, sonst wird mir langweilig. Ich muss mich kreativ betätigen, also schreibe ich fantastische Kinder- und Jugendbücher und schnuppere auch mal in den Gay Bereich (früher habe ich gezeichnet – natürlich im Mangastil), ich liebe es zu organisieren, also hab ich das schwullesbische Lesefestival „QUEER gelesen“ ins Leben gerufen und bin Mitglied des „Homonale“-Filmteams. Und ich liebe Bücher und schreibe für mein Leben gern Rezensionen – deswegen mein Blog „Like a Dream“ und meine Arbeit als Redakteur bei Pummeldex und Splashbooks.

Da ich täglich 3-4 Stunden in Bus & Bahn sitze (hab einen langen Arbeitsweg), habe ich enorm viel Zeit zum Lesen. Ich schaffe im Schnitt 2-3 Bücher pro Woche, die Rezensionen tippe ich abends oder während der Mittagspause. An meinen Büchern sitze ich ebenfalls abends oder auch am Wochenende, je nachdem. Das ist wahrscheinlich der Grund, weswegen die Leser so lange auf die Bücher zu „Nachtschatten“ warten müssen.

Hilfe habe ich durch meine Frau Tanja – ohne sie wäre vieles davon gar nicht möglich.


Du bist nach und nach auch in das Gay Genre hinein gewachsen, wie kam es dazu?

Das kam bei mir über die Shonen-Ai Mangas. Ich hab sie für mich entdeckt, da mich das Thema fasziniert hat, seitdem ich einen Artikel darüber in der Zeitschrift AnimaniA gelesen habe (das war einer der Hauptauslöser für Like a Dream). Mit der Zeit kamen natürlich auch Romane dazu, denn man kann nicht nur Mangas lesen – irgendwann hat man sie einfach über (genau das ist inzwischen bei mir der Fall. Ich habe einfach zu viele gelesen) und dann wendet man sich den geschriebenen Büchern zu. Deswegen lese ich seit einiger Zeit verstärkt Romane, anstatt Mangas.

Was ist das Besondere an dieser Literatur für dich?

Ich weiß – unfair mit einem Link zu antworten, aber der Frage habe ich einen Blogeintrag gewidmet ;) Den findet Ihr *HIER


Findest du, dass Boys Love und Girls Love Mangas mittlerweile die Aufmerksamkeit bekommen die ihnen gebührt?

Den Boys Love Mangas auf jeden Fall – vor 2-3 Jahren gab es einen solchen Boom, dass so viele Titel nach Deutschland kamen, dass der Markt förmlich überschwemmt wurde. Man hatte enorm viel Auswahl, allerdings haben die Verlage gleichzeitig die Leser übersättigt. Es war einfach zu viel. Inzwischen geht der Boys Love Anteil bei den Verlagsveröffentlichungen zurück, da auch das Kaufinteresse abnimmt. 
Ich bin gespannt, wie das bei den Gay Romanen weitergehen wird. Genau das, was vor einigen Jahren im Mangabereich passierte, findet nun im Romanbereich statt. Das Genre boomt, es werden unglaublich viele Bücher auf den Markt geworfen (nur dieses Mal zu 80% im Selfpublishing-Bereich) und aktuell findet es reißenden Absatz. Ich bin gespannt, wie das in 3-5 Jahren aussieht, wenn der Markt komplett übersättigt sein wird.


Bei den Girls Love Mangas sieht das anders aus – die kommen erst jetzt sporadisch auf den deutschen Markt. Es gibt nur eine Handvoll Titel, was aber auch daran liegt, dass das Genre auch in Japan wesentlich kleiner ist. Ich hab keine Ahnung, wie das Verhältnis ist, aber ich vermute es liegt bei 1:10, sprich auf einen Girls Love Manga kommen 10 Boys Love Mangas. Liegt wohl daran, dass beide eher von weiblichen Mangaka gezeichnet und weiblichen Lesern gekauft werden, und die Liebe zwischen Männern faszinierender ist, als die zwischen Frauen.
Auf jeden Fall ist der deutsche Markt bei den Girls Love Mangas daher nicht so übersättigt, wie im Boys Love Bereich.

Gerade die Treffen dieser Community ist ja etwas Besonderes geworden, auch für die Nicht-Fans, gehst du selbst aktiv zu Treffen? Vielleicht sogar als jemand Anderes?

Ich bin jahrelang auf solche Treffen und Conventions gegangen – Connichi, Leipziger Buchmesse, Made in Japan, Hanami, etc. Im Grunde von 2001-2011. Allerdings war ich zu 95% Aussteller, sprich kein reiner Besucher. Ich habe mit meiner Frau und Freunden zusammen einen Stand betrieben (bis 2007 als Zeichnervereinigung ARS, später nur noch mit Tanja als Zeichnerduo Vee-Jas). Wir haben unsere Bilder, selbstgezeichneten Comics und Merchandise präsentiert und verkauft. Das war eine sehr verrückte, aber auch anstrengende Zeit, denn Messen schlauchen immer, wenn man Aussteller ist.
Cosplay war dabei nie mein Ding, sprich ich hab mich nie verkleidet.


Hast du eine Lieblingsreihe und Lieblingscharaktere?

Im Mangabereich? Uff, da muss ich echt überlegen – ich habe so viele Mangas gelesen und mag dementsprechend viele Reihen und Charaktere. Am meisten mag (aktuell) ich den sehr düsteren, thrillerhaften Manga „In these Word“, den historischen Manga „Gorgeous Carat“ meiner Lieblingszeichnerin You Higuri, „Full Metal Alchemist“ (tolles Steampunk-Setting) und wegen der grandiosen Handlung und den vielen Sprüngen „Death Note“. Meine Lieblingsfiguren sind daher auch L (Death Note), Noir (Gorgeous Carat) und Edward Elric (Full Metal Alchemist)

Bei Romanen liebe ich „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak, die „Adrian Mayfield“-Reihe von Floortje Zwigtman und „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse.

Hat sich die Blogger Community verändert im Laufe der Jahre?

Um ehrlich zu sein, fällt es mir schwer, das zu beurteilen. Ich bin eigentlich erst seit 2014 richtiger Blogger, davor war die Seite eher eine Homepage zum queeren Thema. Aber es gibt schon Änderungen – der Umgangston ist rauer geworden, es gibt ein unglaubliches Konkurrenzdenken untereinander. Es gibt einige Spitzenblogger, die unzählige Follower haben, eine sehr breite Mittelschicht und etliche Blogger, die nur wenig Zulauf bekommen. Es scheint mir ein hart umkämpftes Feld zu sein, indem natürlich auch Neid eine größere Rolle spielt.
Umso schöner ist es, wenn sich Blogger vernetzen und zusammenarbeiten. 

Wo siehst du Like a Dream in 5 Jahren?

Uff – gute Frage. Ich freue mich darauf, wenn die Seite volljährig, also 18 Jahre alt wird. Dann werde ich 36, sprich „Like a Dream“ begleitet mich dann die Hälfte meines Lebens. Ansonsten hoffe ich, dass es sie immer noch gibt und die Leute immer noch meine Rezensionen lesen. Die Hauptsache ist aber, dass ich nicht die Lust an queeren Romanen verliere, wie bei den Mangas vorgefallen. Dann wird es die Seite auch in 5 oder 10 Jahren noch geben. Und ich glaube, ich werde weiterhin mein Herzblut hineinstecken.


Kannst du Seiten und Bücher für den Einstieg in das Gay Genre empfehlen?

Im Mangabereich finde ich für den Einstieg die Werke von Hinako Takanaga sehr schön, ganz besonders „Kleiner Schmetterling“, wenn man es etwas romantischer mag; oder auch „Seven Days“ von Rihito Takarai / Venio Tachibana. Wer es expliziter und weniger kitschig mag, dem dürften „In these Word“ von Guilt Pleasure und „Finder“ von Yamane Ayano gefallen.

Im Romanbereich lege ich jedem die Bücher von Floortje Zwigtman ans Herz, ebenso das grandiose „Bruder“ von Ted van Lieshout. Wer es fantastischer mag, wird mit „Staub und Stolz“ von C. Dewi, der „Nightrunner“-Reihe von Lynn Flewelling, „Captive Prince“ 1-3 von C.S. Pacat, inzwischen in Deutsch bei Heyne erschienen) und dem gerade herausgekommenen Roman „Stadt der Maschinenmagie – Die Seelenlosen“ von meiner Frau Tanja Meurer nichts verkehrt machen.

Hach, es gibt so viele tolle Bücher in dem Genre – auf meinem Blog findet man die Rezensionen auch nach Genre sortiert, so kann man sich ganz nach seinem Geschmack informieren.

Was möchtest du noch loswerden?

Danke für das tolle Interview auch wenn es arg kurzfristig war und die schönen Fragen. Natürlich geht mein Dank auch an alle Leser und Besucher meines Blogs, die Verlage und Sponsoren, die mich unterstützen und meine Helferlein. Und natürlich danke ich meiner Frau, ohne die ich gar nicht die Möglichkeit hätte den Blog zu führen. 




An dieser Stelle danken wir Juliane ganz dolle, dass wir dieses besondere Interview machen konnten!


Ja, es ist ausführlich geworden, aber 15 Jahre packt man nicht mal eben in drei Sätze. Das wollten wir auch nicht. Wir wollen die 15 Jahre schließlich angemessen feiern. Und wer nicht gerne liest ist bei uns eh falsch *smile*

Wir hoffen, Euch haben die Fragen und die Antworten geholfen einen Überblick über "Like a Dream" und die Gay Literatur zu bekommen. Wenn Euch das Thema interessiert und ihr weiter feiern wollt mit Juliane schaut doch mal bei ihrer Mega Party vorbei *HIER gehts in den prall gefüllten Festsaal.

Bei Kitty411buecherblog bekommt ihr noch ein zweites Interview mit einem anderen Schwerpunkt, schaut auch da unbedingt mal vorbei. 






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